Clannons humorvolle Glossen

Seit ich mich im November 2013 mit einem meiner Bücher erstmals an die Öffentlichkeit gewagt habe, habe ich viel über die Welt der Autoren, Leser und Bücher dazugelernt. Einige meiner verrückten, skurrilen, lustigen und auch weniger lustigen Erfahrungen als Autorin habe ich im Laufe der Jahre als Glossen und kleine Satiren niedergeschrieben.


Vom Mai 2015

„Für mein Schniedelpupsibärchen“ oder wann Widmungen in Büchern cool sind.

Wer kennt sie nicht, die kurzen persönlichen Worte eines Autors, die man in einem Roman meist auf der zweiten oder dritten Seite  findet?

„Für meine Mutter in ewiger Dankbarkeit“,

„Für meinen geliebten Ehemann, danke für dein Verständnis“,

„Für meine Lektorin, danke für Ihre Geduld“,

„Für Zorro meinen treuen Langhaardackel“ und so weiter und so fort.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wer, wenn nicht ein Autor, darf jemanden auf diese Weise verewigen? Allerdings muss ich gestehen, dass mich als Leserin diese Widmungen keinen Deut interessieren, ganz im Gegenteil, einmal habe ich ein Buch nach dem Lesen der halbseitigen Widmung sogar wieder zugemacht, weil mir Übles hinsichtlich des Rests schwante.

Zum Zwecke der Forschung habe ich nun ein bisschen in meinen Regalen gestöbert und zu meiner größten Verwunderung festgestellt, dass schätzungsweise 90 Prozent all meiner Bücher eine Widmung haben. Selbst das Kochbuch für Desserts ist einer gewissen „Chiara“ gewidmet und der kulturgeschichtliche Atlas über Mittelasien „meiner lieben Frau und Gehilfin.“ Also ist ja wohl klar, dass Mrs. Miller in ihrem nächsten Buch auch unbedingt eine Widmung haben möchte. Natürlich soll das keine typische Mutter-Ehemann-Langhaardackel-Widmung werden, und deshalb habe ich mal nachgeschaut, was die großen Autoren so von sich geben, wenn sie jemandem ihre ewige Dankbarkeit ausdrücken wollen.

J K Rowling. Wie immer hat die Dame Stil
Cassandra Clare, das Übliche: Mein Opa, mein Mann, meine Katze, mein Wellensittich, meine Tante, mein Gummibaum …
John Twelve Hawks: Ziemlich bombastisch, da denkt man, man hat das Jahrhundertwerk der Literatur vor sich. Ist aber nur ein stinknormaler Fantasyroman.
Total interessant. Gähn. Zum Glück ist nicht das ganze Buch so. Charlaine Harris langweilt ihre Leser wirklich nur bei der Widmung.
Die absolut beste Widmung kommt natürlich, wie sollte es anders sein, von George R R Martin. Der Mann ist einfach der Größte!
(Übersetzung: Für Stephen Boucher, Zauberer von Windows, Drachen von DOS, ohne ihn wäre dieses Buch mit Kreide geschrieben worden.)

Nach reiflichem Überlegen und Forschen und weiterem Überlegen, habe ich mich entschieden, eines meiner nächsten Bücher meinem ehemaligen Deutschlehrer zu widmen. Er behauptete immer, ich hätte das Zeug zu mehr, wenn ich nur wollte.

„Für meinen Deutschlehrer aus der elften Klasse. 

Ich hoffe, du liest dieses Buch nie, du Arsch.

Du erinnerst dich vielleicht nicht mehr, an mich, aber ich bin diejenige mit der vulgären Sprache und der politischen Unkorrektheit.

Du Wichser!“


vom Juni 2015

Clannon im Zwiegespräch mit einem männlichen Protagonisten

Clannon: Hör mal Mister X, auf ein Wort. Ich muss dir leider deine Tattoos wieder wegnehmen. Und 5 Kilo von deiner Oberkörpermuskulatur, die ich dir im letzten Kapitel angeschrieben habe, müssen auch wieder weg.

Mister X:Hä, hast du sie noch alle? Das war doch cool. Ich stehe auf Tattoos und Muskeln.

Clannon: Sorry, aber es gibt ein paar Leser, die finden, dass meine männlichen Helden zu schwanzgesteuert sind. Ich habe beschlossen, dass du ein einfühlsamer Frauenversteher sein wirst.

Mister X: Okay, verstehe ich, aber was hat das mit den Tattoos und den Muskeln zu tun? Lass mir wenigstens das Fledermaus-Tattoo auf dem Rücken.

Clannon: Nope, sorry. Aber Muskel-Männer mit Tattoos sind die Prototypen von Bad Boys und ein Bad Boy kann nun mal kein Frauenversteher sein.

Mister X: Willst du mich etwa in einen Literaturprofessoren verwandeln, oder was?

Clannon: Hm, gar keine schlechte Idee, vielleicht in einen Lehrer oder noch besser in einen Kindergärtner. Ein Leser hat sich beschwert, dass mein letzter Prota angeblich ein Rabenvater war. Ich bin entschlossen, jetzt mal über einen kinderlieben, frauenverstehenden, familienfreundlichen, bindungswilligen Helden zu schreiben. Was hältst du von einem Buchhalter?

Mister X: Bäääh, nein! Hilfe! Ich will keine Pussy sein. Kann ich nicht wenigstens Karatelehrer sein? Oder Fitnesstrainer?

Clannon: Nein, diese Typen haben zu viel Testosteron. Du sollst ja eben nicht schwanzgesteuert sein.

Mister X: Einer Studie zufolge, denken Männer alle sieben Sekunden an Sex. Jeder Mann ist also schwanzgesteuert, nur die Frauen wollen das nicht wahrhaben.

Clannon: Die Studie ist veraltet. Einer neuen Studie zufolge denken Männer nur  49 Mal pro Tag an Sex.

Mister X: Das ist mehr als zwei Mal pro Stunde. Ich finde das immer noch ganz schön triebgesteuert.

Clannon: Du sollst mir nicht widersprechen. Ich habe entschieden, dass du höchstens noch ein oder zwei Mal pro Woche an Sex denken wirst, und ansonsten wirst du die weibliche Protagonistin anbeten und alles für ihr Wohlergehen tun. Keine Macho- oder Ego-Allüren, kapiert?

Mister X: Gääähn. Dann mach mich doch gleich zum Eunuchen.

Clannon: Hmmm, gar keine schlechte Idee. Ein wenig Impotenz schadet gar nicht. Nur, um sicher zu gehen, dass du während der Geschichte nicht aus der Reihe tanzt und womöglich pornomäßige Sexszenen veranstaltest. Es gab ein paar  Leser, die haben sich über die überbordenden Sexszenen in meinen Romanen beschwert. Ich muss auch auf die etwas sensibleren Mitmenschen Rücksicht nehmen.

Mister X:  Waaaas? Jetzt reichts! Ich mach nicht mehr mit. Ich steige aus der Story aus. Was willst du eigentlich schreiben? Das klingt wie eine Einschlafhilfe für frigide Schnepfen in der Menopause?

Clannon:  Hallo, ich muss doch sehr bitten. Beleidige meine Leser nicht.

Mister X:  Das sind nicht deine Leser. Das sind chronisch untervögelte Dünnbrettbohrer, die aus lauter Frust, an allem rummeckern, was nicht in ihr vernageltes Weltbild passt. Deine Leser lieben schwanzgesteuerte Männer mit Tattoos, die 200 Mal am Tag ans Ficken denken.

Clannon:  Oh je, an deiner Sprache muss ich leider auch noch feilen. Es geht nicht an, dass du so viele vulgäre Ausdrücke verwendest. Ein paar meiner Leser haben sich über die ordinäre Sprache meiner Helden beschwert.

Mister X:  Fick dich! Ich such mir eine andere Autorin, nur dass du’s weißt! Eine, die zu ihrem Stil steht und nicht jedem verklemmten Hilfsnörgler in den Arsch kriecht.

Clannon:  Ich habe eine Idee. Was hältst du davon, wenn ich dich zu einem katholischen Priester mache, der seiner Sandkastenfreundin nach vielen Jahren wieder begegnet und merkt, dass er sie immer noch liebt? Von da an ist er zwischen seinem Zölibat und seinen Gefühlen hin und her gerissen. Er ist natürlich absolut enthaltsam und denkt fast nie an Sex, und wenn doch, dann betet er einen Rosenkranz nach dem anderen. Sie wird seine Haushälterin, und sie leben glücklich zusammen, ohne je Sex zu haben, aber ihre Liebe und ihr seelischer Einklang sind wunderschön.

Mister X:  Ich kotze gleich, dann mach mich lieber schwul.

Clannon: Ein schwuler Priester? Hin- und hergerissen zwischen seinem Glauben, seiner Liebe zu seiner Jungendfreundin und seiner sexuellen Orientierung? Warum nicht!   

Mister X:  Das sollte Ironie sein, Lady. Diese Priesteridee ist gequirlte Scheiße. An den Haaren herbeigezogener Mist. Übertrieben und unglaubwürdig bis zum letzten Komma.

Clannon:   Hast Recht. Es gibt einige Leser, die sich darüber beschwert haben, dass meine Geschichten viel zu übertrieben und unglaubwürdig sind, und dass es im realen Leben ganz anders zugeht. Vielleicht sollte ich einfach mal eine ganz alltägliche Geschichte schreiben.

Mister X:  Was meinst du mit alltäglich?

Clannon:  Naja, einfach über ein ganz normales Paar, Standard-Typen wie … wie eben irgendeiner, wie mein Nachbar zum Beispiel. Der hat seine Schulfreundin geheiratet  als er 24 war. Sie haben eine Tochter, ein Haus und sind seit 20 Jahren zusammen. Sie gehen jeden Tag ihrer geregelten Arbeit nach und grillen am Wochenende mit ihren Freunden, machen regelmäßig Urlaub und ich schätze, dass sie mindestens ein- bis zweimal in der Woche Sex haben. Sie ist Bauzeichnerin und er ist bei der Stadtverwaltung.

Mister X: Boaaaaah. Das klingt ziemlich öde. Kann ich dann wenigstens wieder 26 mal am Tag an Sex denken?

Clannon: Klar, aber nur an Blümchensex und Missionarsstellung, nichts Übertriebenes, und du darfst ab und zu deinen Kolleginnen auf den Hintern oder den Busen starren. Aber alles maßvoll und normal. Kein Büro-Techtelmechtel.

Mister X: Und wen interessiert dann so ein langweiliger Quark? Deine Leser lieben deine Bücher doch gerade deshalb, weil du sie mit deinen ungewöhnlichen Typen und Geschichten aus dem Alltag entführst. Und weil deine Geschichten heiß und detailliert sind, und weil du eine zünftige Schreibweise hast, und weil deine Männer echte Männer sind und keine Muschis.

Clannon: Erklär du mir nicht wie ich mein Buch schreiben soll, sonst mache ich dich zu einer Frau. Basta!

Mister X: Blöde Kuh! Ich kündige.

Clannon: Goooott, was soll ich denn jetzt tun? Jetzt hast du mich total durcheinandergebracht.

Mister X: Gib mir meine Tattoos und meine Muskeln zurück, und mein Testosteron will ich auch wieder haben. Und ich will mindestens vier zünftige Sexszenen in deinem neuen Buch.

Clannon: Dann kannst du aber kein Priester sein.

Mister X: Wofür ich dir ewig dankbar sein werde.

Clannon: Was willst du denn dann sein?

Mister X: Mafiaboss oder Profikiller oder Prinz.

Clannon: Okay, okay einverstanden. Weißt du was, ich kann dich eigentlich ziemlich gut leiden, so wie du bist.

Mister X: Okay, Mrs. Miller, dann lass uns jetzt erst mal ein paar Chicks aufreißen.

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