Blick hinter die Kulissen

„Ich würde so gerne mal bei dir hinter die Kulissen blicken.“ Das hat mir eine Leserin vor längerer Zeit mal geschrieben und ich hab es eigentlich als nettes, aber nicht ernst gemeintes Kompliment abgehakt. Doch die Idee hat sich in meinem Kopf festgesetzt … irgendwie … und hier ist er also, der  Blick hinter meine Kulissen.

Von der Idee bis zum Buch.

Idee

Meistens platzt mir der Kopf vor lauter Ideen und ich weiß nie so genau, was ich zuerst schreiben soll. Wenig Zeit – viele Ideen.

Nicht jede Idee, die ich habe, ist gut genug um ein ganzes Buch zu füllen und nicht jede Idee begeistert die Massen. Immer wieder muss man sich als Autor selbst auf den Prüfstand stellen. Schreibe ich das, was ich gut finde, oder schreibe ich das, was sich am besten verkauft? Manchmal passt beides gut zusammen. Manchmal leider nicht.

 

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Plotten (eine Handlung erschaffen)

Beim Plotten überlege ich, wie die Geschichte ungefähr laufen soll. Oft weiß ich nur wie sie anfangen und wie sie enden soll und der Rest ergibt sich

Manchmal plane ich aber auch alles genau durch oder ich entwerfe komplizierte Konstrukte und mache  tiefgründige Zeichnungen (siehe unten). 🙂

Aber immer –  jedes verdammte Mal – verselbstständigen sich meine Geschichten während des Schreibens und am Ende kommt etwas ganz anderes heraus, als das, was ich eigentlich schreiben wollte.

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Manchmal überfällt mich auch tiefe Verzweiflung.

Da habe ich bereits 200 Seiten geschrieben und plötzlich stelle ich fest, dass das Buch ganz großer Mist ist. Der Plot steckt fest, die Helden sind Idioten, ihre Dialoge sind kindisch und flach. Alles wiederholt sich irgendwie und die Sexszenen sind so prickelnd wie eingeschlafene Füße.

Dann lege ich das Projekt auf Eis und fange etwas ganz Neues an, oder ich schreibe an etwas Altem weiter, etwas das ich vor ein paar Jahren mal auf Eis gelegt habe und das mir auf einmal gar nicht mehr so dumm vorkommt.

 

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Der Friedhof der kaltgestellten Geschichten – und auch der Wiedererweckten 🙂

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Inspiration

Man kann auch ohne Inspiration schreiben, aber wehe, wenn mich die Muse küsst und ich habe plötzlich 100 geniale Einfälle und keine Tastatur parat. Meist überfällt mich die Inspiration in völlig ungünstigen Momenten (wenn ich beim Zahnarzt warte, einen Vortrag anhöre, im Stau warte usw.) dann zücke ich mein Notizbuch, nach alter Väter Sitte und kritzle drauf los.

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Schreiben

Hier sitze ich am Feierabend, am Wochenende und in meinem Urlaub auf meinem  Allerwertesten, bis er platt ist. Dann versuche ich das Gewirr in meinem Gehirn in Sätze zu fassen und dabei Bilder und Welten und Menschen zu erschaffen, die lebendig genug sind um andere zu berühren.

Arbeitsplatz Clnanon Büro

Drogen

ganz klar Kaffee, frei nach dem Motto: „Ich bin ein Autor, ich kann Kaffee in Worte verwandeln.“

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Und auch Alkohol. Um  Hemingway zu zitieren: „Schreibe betrunken und überarbeite nüchtern.“

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Knochenjob

Während meines Studiums (das nichts mit der Schreiberei zu tun hatte) habe ich oft mit meiner Entscheidung gehadert. Damals hatte ich schon einige Romänchen geschrieben und habe davon geträumt, vom Schreiben leben zu können und keinen öden Spießerjob ausüben zu müssen. Ich hatte mir das Leben als Autorin superromantisch vorgestellt. Ich dachte, ich läge in einer Hängematte oder säße am Strand, ich würde romantische Waldspaziergänge machen und nebenher meine Geschichten zusammenspinnen, die ich dann nur noch herunterzutippen bräuchte und schon wären die Bestseller fertig.

Irrtum!

Tatsächlich ist das Schreiben hart und aufzehrend. Wenn ich mitten in einem Buchprojekt stecke, komme ich oft Tage und Nächte lang  nicht vom PC weg. Die sozialen Kontakte zu meinen Freunden gehen gegen Null und meine Familie wagt es gar nicht mal, einen Blick in mein Büro zu werfen aus Angst, ich könnte sie mal wieder anfauchen: „Lasst mich in Ruhe, ich arbeite.“

Wie das Wetter draußen ist – ob es überhaupt Wetter gibt – weiß ich gar nicht. Es könnte schneien im August, ich würde es nicht mitbekommen.

Und wenn ich dann endlich, spät am Abend ins Bett krieche, müde und ausgelaugt, dann habe ich nicht mehr als ein paar Seiten zustande gebracht und die gefallen mir am anderen Tag schon wieder nicht mehr. Waldspaziergänge machen nur die Helden in meinen Romanen und pfiffige und charmante Dialoge beherrschen die auch weitaus besser als ich. Meine Heldinnen ziehen sich schicke Abendkleider an und schminken sich für den großen Abend mit ihrem angebeteten Helden, während ich in Schlabberhose und Flatter-T-Shirt und ungeschminkt am PC sitze und meine Abendkleider im Schrank hängen und wie durch magischen Einfluss immer enger werden. Vermutlich habe ich schon das dritte Glas Wein intus , ich habe nicht mitgezählt, aber morgen früh, wenn ich aufstehen muss, werde ich wissen, dass es mindestens zwei Gläser zu viel waren.

Schreiben ist ein Knochenjob und ein ewiges Auf und Ab;  himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt und nie zufrieden. 🙂

Bei meinem derzeitigen Buch habe ich jetzt endlich (auch dank meiner guten Kontakte zu diversen Weinhandlungen) die Stufe 5 erreicht.

Kreativer Schreibprozess

Das Ergebnis

Es ist tatsächlich irgendwie ein saugeiles Gefühl, wenn man ein oder mehrere Bücher im Regal stehen (oder auf dem Reader) hat, die man selbst geschrieben hat.

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Leser und Fans

Mehr als das Geld und der Ruhm bedeutet mir das Feedback und die Anerkennung der Leser. Mails machen mich glücklich, daher geniert euch nicht, schreibt mir: autorin@clannonmiller.de

Das geilste Geschenk, das ich je von einer Leserin bekommen habe, ziert selbstverständlich die Wand in meinem Büro. Und wenn ich manchmal down bin, und die Lust am Schreiben verliere, schaue ich es an und weiß wieder, warum es sich lohnt Geschichten zu erzählen. ❤

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Ausblick

Klar, ich schreibe und schreibe und schreibe.

Derzeit habe ich drei Projekte und alle drei werde ich bis zum bitteren Ende durchziehen. Ich schreibe an einem geistreichen Liebesroman, an einem sehr heißen Fantasyroman und an einen soliden erotischen Roman nach allen Regeln der Schmonzetten-Kunst (reicher Mann armes Mädchen und ein paar krasse Gegensätze 😉 ).

Ob und wann ich fertig sein und sie veröffentlichen werde, kann ich noch nicht sagen.

 

Danke für euren Besuch hinter den Kulissen meiner Geschichten-Schmiede. ❤

 

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6 Gedanken zu “Blick hinter die Kulissen

  1. Liebe Clannon.

    Da ich erst letztes Jahr mein Hang zur Romantippse entdeckte, stehe ich am entweder am rüden Anfang oder am unvermeidlichen Ende. Aber was ich hier gelesen habe, deckt sich mit meinen Erfahrungen des letzten Jahres. Es gab Tage da hämmerte ich glatte 20 Seiten und dann wieder Tage da habe ich Hirnverstopfung oder verknotete Finger. Beides echt Autschn. Ein Buch über einen Finanzbeamten fände ich wirklich witzig oder aber herb derb, zumindest in meinem Kopf. Was diese Plottes anbelangt, versuchte ich ebenfalls bei meinem derzeitigen Projekt. Nur bei fünfundzwanzig Personen, die dann irgendwo und irgendwann erscheinen, wurden die Kringel, Pfeile und andere ganz tolle geometrische Erkennungsmerkmale dermassen verdichtet, geschichtet und coloriert, dass ich ernsthaft überlegte, diesen Plot des ersten Teiles einfach einer Galerie als Moderne Kunst anzubieten. Als ich dann beim zweiten Teil ebenfalls da saß, gab ich dann einfach auf. Sollen doch Stadtplaner einen Plot aus meinen Büchern entwerfen. 😉

    Also kurz und gut, vielen Dank für diesen Beitrag

    Lieben Gruß

    PS: Ich liebe Pygmalion, First Night und Day sehr. Und hinter meine Kulissen, darf nur mein Freund sehen (okay, meine Familie auch noch). 😀

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  2. Liebe Victoria, ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass dein Versuch als „Romantippse“ von Erfolg gekrönt ist. Wenn du mal jemanden brauchst der dich aufbaut oder dir mit dummen Ratschlägen Mut macht … 😀

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    1. Liebe Clannon,

      Danke für deine liebe und mich verzückende Antwort und das verlockende Angebot, auf welches ich bei meinem abartigen Projekt sicherlich mal in Anspruch nehmen wollen würde.

      Ja… Neee! Wenn du deine Daumen drückst, dann kannst du keine weiteren Bücher selber schreiben. Fänd ich nicht so gut.

      Lieben Gruß aus München, in Hörweite des Depeche Mode Konzertes.

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  3. Liebe Clannon,
    ich verehre Sie, ich liebe Sie (darf man das überhaupt sagen, so einfach, so von Frau zu Frau)??? Oder soll ich sagen, ich liebe alles, was Sie schreiben? Und vielleicht gerade deshalb, weil es so vielfältig, witzig, aus dem Leben, aus der überübervollen Phantasie oder einfach nur GUT ist?
    Ich lese so viel Schrott – einfach gestrickt und eben nicht gut recherchiert – mit logischen Fehlern en masse.
    Und ja, ich freue mich sehr über den Blick hinter die Kulissen, denn das macht die Clannon Miller, von der ich lese, zu einem echten menschlichen Wesen. Und wie Sie hier Ihren Kampf ums gute Schreiben erläutern, eben auch mit vollkommen normalen menschlichen Eigenschaften. Ich kann alle Zweifel, die das Entwickeln intelligenter Plots so mit sich bringen, gut nachvollziehen. Aber allein die Bewertungen bei Amazon müssen doch ein gutes Gefühl und eine hochgereckte Faust bei der Frau Autorin verursachen, oder!?
    Es ist schlimm, dass ich die Romane so schnell verschlinge – sooooo schnell können Sie gar nicht schreiben. Aber ich lese sie immer wieder, oft auch, um dann mit einem guten Gefühl in den Tag zu gehen. Trotz der Traurigkeit, die in manchen Handlungen liegt (der Tod von Thomas hat mich ganz schön mitgenommen…). Der Witz, Charme und Gute-Laune-Charakter überwiegt.
    Aber auch die Hörbücher bieten eine gute Abwechslung – da kann ich nämlich nicht mit den Augen fliegen, sondern muss geduldig zuhören. Hat auch was.
    Mein Feedback heute soll mindestens, sagen wir, zehn Seiten beflügelten Schreibprozess hergeben, klappt das??? 🙂
    Darauf einen guten Whisky, dann kommen schön romantische Gedanken, prost!

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  4. Also ich liebe es, wenn mir jemand sagt, dass er mich liebt. 😀
    Und weil mein Geschreibsel ja irgendwie auch ein Teil von mir ist (Ausfluss klänge jetzt etwas komisch, gell? 😉 ) auf jeden Fall, ob man nun mich oder meine Bücher oder mich über meine Bücher liebt, ist ja egal. Jeder Mensch liebt es geliebt zu werden.
    Und jaaaa, solche Worte beflügeln mich wirklich und spornen mich an, streicheln mich, trösten mich, geben mir Mut und Durchhaltevermögen und überhaupt …
    DANKE.
    Ich fange heute Abend noch mit dem letzten Kapitel meines nächsten Buches an und wenn das mit der Motivation von allen Seiten so weitergeht, dann gibt es dieses Jahr noch neuen Lesestoff für alle die mich lieben.
    Prost. 🙂

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